Nach dem letzten Wochenende in der Stadt (Edinburgh) musste diese Woche mal wieder der Weg in die Einsamkeit und Einöde der nordwalisischen Berge aufgesucht werden.
Da wir getrost auf die Organisation des UMWC University Mountain Walking Clubs verzichten könnten, dachten wir uns heute auf eigene Faust mit Karte und Kompass den Weg ins Snowdonia zu suchen und machten uns mit dem Bus früh morgens auf in Richtung Llanfairfechan. Mit im Boot saßen Conny und Annette und natürlich mein Mountain Buddy Sören.
Der Himmel war bewölkt aber es regnete nicht. Unsere Stimmung hätte kaum besser sein können: Sören’s Lachen und seine Geschichten wie er heute Nacht noch drei Teller Pasta verputzt hat trugen ihr nötiges dazu bei.
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Die Aber Falls/Rhaeadr-fawr und Flussüberquerung Afon Rhaeadr-bach
In Llanfairfechan angekommen, mussten wir noch eine kurze Strecke mit einem anderen Bus fahren (etwa 2 Min) bis wir in Abergwyngregyn auf die Tour gingen. Als erstes standen die Aber Falls auf dem Plan, Wasserfälle von ca. 25m….sehr beeindruckend. Auf dem Weg dorthin konnten wir schon einen kleinen Eindruck von dem gewinnen, was uns später erwarten sollte: WIND!
Verdammt riskant wurde es dann im ersten Anstieg an den Wasserfällen vorbei: Ein Feld von Schieferstein und eine kleine schmale Schneise am Abgrund, über glitschige Steine und dann noch ständig durch Gebirgsbäche. Als wir das erste steile Stück gemeistert hatten, wartete allerdings schon die nächste Aufgabe auf uns: Wie und wo überqueren wir den Fluss Afon Rhaeadr-bach, der weiter unten zu den Wasserfällen wird? (Der Fluss hatte etwa eine Breite von 4m)
An jeder Stelle, die zuvor passabel schien, entschieden wir uns dann doch noch weiter Flussaufwärts zu gehen, da es dort immer noch flacher aussah. Dies allerdings täuschte und ich entschied mich dann schließlich zu einem kleinen Weitsprung Wettbewerb: Der reißende Fluss gegen mich! 1 zu 0 für mich, da ich (fast) problemlos den Bach überquerte. Eine kleine Insel half mir dabei, sodass ich einen weiten Satz auf die Insel und einen noch weiteren für auf’s andere Ufer benötigte. Der Fluss sollte allerdings noch seine Revanche bekommen…schon bald!
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Gipfelbesteigung des Bera Mawr
Nachdem dann auch Sören den Sprung wagte und Conny und Annette sich für die “Wir-ziehen-uns-Schuhe-und-Socken-aus-und-waten-durch-den-kalten-Strom” Variante entschieden hatten, waren wir schließlich alle wieder vereint und konnten den Gipfel des Bera Mawr stürmen. Alles schien perfekt dazu, der Himmel klarte auf, keiner von uns war erwähnenswert nass geworden und alle waren munter. Doch nicht nur der extrem steile Anstieg von schätzungsweise bis zu 45% - man musste teilweise Wände hochklettern - machten uns zu schaffen, sondern auch die wilde Vegetation von hohen Gräsern und Flächen von Sträuchern, die uns jeden Schritt erschwerten.
Als wir endlich über der Vegetationsgrenze waren, folgte die nächste Schwierigkeit: Rocky Bera Mawr. Der Gipfel bestand aus einer riesigen Ansammlung von Felsen und Gesteinformationen, die wir hochklettern mussten. Das ging nicht ohne Scrambling ab, wobei man wirklich, wie beim Climbing, mit Händen arbeitet, sich von Felsen zu Felsen hochzieht und jeden Schritt auf dem rutschigen Stein bedenken muss.
Dazu kam auch noch, dass Regen einsetzte und mit dem niemals abflauenden Wind unseren Aufstieg noch problematischer gestaltete. Endlich auf dem Gipfel angekommen, setzte aber auch sofort wieder das Gefühl ein, dass man nur bekommt wenn man einen Berg bezwungen hat - eine Mischung aus Adrenalin und Endorphin.
Es folgte eine kurze Lagebesprechung in einer relativ windgeschützten Mulde, in der wir uns entschlossen aufgrund des Wetters nicht mehr in den verschneiten Gipfelbereich des benachbarten Garnedd Uchaf zu begeben, wobei wir doch alle tierisch Lust auf eine Schneeballschlacht hatten.
Stattdessen planten wir unseren Rückweg nach Llanfairfechan über den gegenüberliegenden Gipfel des LLwytmor Bach, wozu wir wieder den Gebirgsbach überqueren mussten.
Der Abstieg erwies sich dann wie erwartet als extrem rutschig und der stärker werdende Regen begann uns von oben zu durchnässen. Nach dem steilen Abstieg begannen wir erneut mit der Suche nach einer geeigneten Passage um auf die andere Seite des Afon Rhaeadr-bach zu kommen. Diese fanden wir schließlich auch bald und wir hopsten wieder über einen rutschigen Stein auf die andere Seite des Flusses.
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Kampf mit dem Orkan am Llwytmor Bach
Der folgende Anstieg auf den Gipfel des Llwytmor Bach begann sehr angenehm, da wir seitlich und nicht frontal in den Hang gingen und somit mit weniger Steigung zu kämpfen hatten. Doch schon bald verschlechterte sich das Wetter weiter und der Regen wurde stärker und der orkanartige Wind wehte pausenlos, sodass man sich weder unterhalten konnte, Probleme beim Atmen hatte und mit jedem Schritt gegen sich, den Berg und den Wind kämpfte. Dieser “leichte” Aufstieg war aufgrund des kalten Windes und Regens wohl das schlimmste Stück auf der gesamten Tour. Währenddessen war auch Nebel aufgezogen und uns blieb nur eine Sichtweite von etwa 10m.
- Der Weltuntergang schien nah -
Oben auf dem Gipfel fanden wir glücklicherweise eine, mit Steinen gebaute Mulde, die uns Schutz vor Wind und Regen gab, sodass wir uns kurz dort verkriechen, das weitere Vorgehen besprechen und durchatmen konnten. Jetzt waren wir auch zum ersten mal wirklich auf die Karte und die Kompassnavigation angewiesen, da uns der Nebel jegliche Sicht auf die Küste und unser Ziel verwehrte.
Der Abstieg war dann zwar durch leichteres Terrain, mit wenigen Felsen, aber dafür war es umso rutschiger auf dem nassen Grass und auf den nassen Sträuchern. Dies hatte zur Folge, dass wir auch das ein oder andere mal auf den Hintern fielen und ein paar Meter den Berg runter rutschten.
Nach wenigen hundert Metern waren unsere Schuhe dann auch endlich so durchnässt, unsere Hosen dreckig, dass es uns sogar Spass machte und - zumindest Sören und ich - uns in die weichen, nassen Sträucher warfen und meterweit den Berg herunter kullerten, was im Sommer sicher ein noch größeres Vergnügen sein dürfte aber auch heute eine Menge Spass gemacht hat.
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Die Härteprobe: Afon Analon
Wir überquerten erneut einen schmalen Gebirgsstrom, der weiter unten in unser Schicksal mündete: Afon Analon, ein noch größerer Fluss, mit noch stärkerer Strömung. Auch dieser musste überquert werden und die Tatsache, dass er etwa 6m breit war und keine Inseln, sondern nur rutschige Steine beherbergte, liess uns schnell entscheiden, dass es aufgrund unserer sowieso durchnässten Schuhe und Hosen keine andere plausible Möglichkeit gibt, als hindurch zu waten. Wenige Minuten später standen wir dann zu viert, mitten im 50cm tiefen Wasser eines reißenden Walisischen Gebirgsflusses und bahnten uns unseren Weg an das andere Ufer. Ein Hoch auf meine wasserdichten Columbia Hiking Shoes, aber da war dann nix mehr mit wasserdicht!
Durchnässt von Kopf bis Fuss, aber fröhlich, wanderten wir dann noch weiter auf dem Hafod Garth Celyn und den Coed Gorddinog über Felder, Schafsweiden, durch Wälder bis wir endlich in der Ferne ein Haus sehen konnten, das erste Zeichen von Zivilisation seit unserem Aufbruch in Aber. Von diesem Haus waren es dann zwar immer noch einige Kilometer bis nach Llanfairfechan, aber wir wussten, es würden keine Hindernisse der Kategorie “Flussüberquerung” oder “Orkanregenflut” kommen.
Aufgrund der Ereignisse folgt als Fazit: Die beste Mountain Walking Erfahrung meiner Zeit bisher in Wales! (Chris: Wenn du im Januar zu wandern kommst, werden wir genau diese Strecke gehen,…nur noch mit einem zusätzlichen Abstecher ins Schneeparadies des Yr Arig und Garnedd Uchaf).
Fotos…soon!
Hoppípolla!